22-Euro-UV-Primer im Test
Hält UV-Druck mit dem CO Primer? Spülmaschinen- und Kratztest
K-LAB Test 02: 22-Euro-UV-Primer im Test
Warum dieser Test?
Ich habe einen UV-Primer beim OCBESTJET Printer Consumables Store gekauft. 500 ml kosten ungefähr 22 Euro.
OCBESTJET UV-Primer bei AliExpress
In den sozialen Medien werden oft teure Primer empfohlen. Die Leute suchen oft nicht bei Aliexpress oder alles, was aus China kommt, wird gerne als billiger Chinakram abgestempelt. Ich sehe das anders. Nicht alles, was günstig ist, ist automatisch schlecht. JA, ich ein User, obendrein Sysadmin und kein Influencer, der sein Zeug geschenkt kriegt und tausend schöne Sachen druckt … Ich bin User der auf Preise schaut und beim Benutzen meiner Maschinen Erfahrungen sammelt. Ich habe mehr "Shit happens" als superschöne Marketing Videos. Ich sammele meine Erfahrungen gerne selbst und bin nur schwer zu "influencen".
**JAAAAAAAA, ich kaufe billigen Chinakram, und zwar gerne und bin zufrieden ** Dazu gehören mein Sculpfun S30 Pro 20 Watt, meine zwei Anycubic Kobra 3, meine Heißpressen, mein eufyMake E1 und vermutlich mein halbes Atelier. Fast jede Maschine oder elektronische Gerät ist heute irgendwie mit China verbunden. Entweder komplett dort gebaut oder zumindest Platinen, Motoren, Netzteile, Displays, Sensoren, usw. Sachen, die wirklich komplett ohne chinesische Produktion auskommen, gibt es wohl kaum. Gerade in den Bereichen 3D-Druck, UV-Druck, DTF, Sublimation, Lasertechnik und Elektronik ist die Auswahl riesig. Natürlich gibt es dort auch Müll. Den gibt es aber in teuer ebenfalls. Deshalb: teste ich erstmal das günstigste. Aber nun zur Sache!
Die bisherigen Testdrucke wurden mit folgenden Einstellungen gedruckt:
- White: 3
- CMYK: 1
- White Ink: normale White Ink
Getestet wurden Glas, Metall, Kugelschreiber und zwei verschiedene Orca-Sublimationstassen. Teils mit Primer vorbereitet. Danach Spülmaschine und Kratztest.
ORCA Sublitasse matt (gibt's hier)
ORCA Sublitasse highgloss (gibt's hier)
Schlüsselanhänger Edelstahl (gibt's hier)
Kugelschreiber (gibt's hier)
Weinglas (gibt's hier)
Was ist eine Orca-Beschichtung?
Orca-Beschichtung ist für Sublimationsrohlinge. Eine Art Primer die gasförmige Sublimationstinte aufnimmt. Die Farbe liegt dadurch nicht einfach oben auf der Tasse, sondern wird in der Beschichtung gebunden. „ORCA Coatings“ ist dabei ein Markenname für eine solche Beschichtung. Sie ermöglicht kräftige Farben, hohe Druckauflösung und gute Haltbarkeit. Was ich auch bestätigen kann, das sind die besten. Die Beschichtung gibt es in matter und glänzender Ausführung.
Für meinen UV-Test ist wichtig: Beide sind für Sublimation geeignet, verhalten sich beim UV-Druck aber nicht gleich.
Die Testobjekte
| Testobjekt | Vorbereitung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Weinglas „Lady J“ | Ohne Primer | Druck nach der Spülmaschine fast komplett weg |
| Weinglas „Mister J“ | Teilweise mit, teilweise ohne Primer | Ohne Primer abgeblättert, mit Primer erhalten und kratzfest |
| Matte Orca-Sublimationstasse | Mit Primer | Druck hielt und war kratzfest |
| Matte Orca-Sublimationstasse | Ohne Primer | Druck hielt ebenfalls und war kratzfest |
| Hochglänzende Orca-Sublimationstasse | Ohne Primer | Druck blätterte ab |
| Metallanhänger | Teilweise mit, teilweise ohne Primer | Ohne Primer abziehbar, mit Primer hielt er nach der Spülmaschine |
| Weißer Kugelschreiber | Ohne Primer | Druck mit dem Fingernagel entfernbar |
| Schwarzer Kugelschreiber | Mit Primer | Druck hielt und war kratzfest |
Glas ohne Primer
„Lady J“ wurde auf ein normales Weinglas gedruckt. Kein Primer, keine Beschichtung, einfach direkt auf das Glas. Direkt nach dem Drucken: Das Motiv war sauber, vollständig und kratzfest. Nach der Spülmaschine war Lady J allerdings weg. Nicht ein bisschen beschädigt oder leicht angekratzt, sondern fast komplett verschwunden. Übrig waren nur ein paar kleine Farbkrümel.
Das zeigt ziemlich deutlich: Nur weil ein Druck direkt nach dem Drucken gut aussieht, heißt das noch lange nicht, dass er auch auf der Oberfläche haftet.
Glas mit und ohne Primer
Weinglas mit „Mister J“. Eine Hälfte der Druckfläche ist mit dem OCBESTJET-Primer behandelt, die andere Hälfte blieb ohne Primer. Danach wurde das Motiv über beide Bereiche gedruckt. Direkt nach dem Drucken: Das Motiv war sauber, vollständig und kratzfest. Nach der Spülmaschine ist der Unterschied ziemlich brutal sichtbar. Dort, wo kein Primer unter dem Druck war, blätterte er ab. Dort, wo Primer aufgetragen war, blieb er erhalten. Auch beim Kratztest hielt die grundierte Fläche. Kein Ablösen, kein Abziehen, keine Farbflocken.


Gleiches Glas, gleicher Druck, gleiche Einstellungen, gleiche Spülmaschine. Der einzige Unterschied war der Primer. Ohne Primer weg. Mit Primer da. Mehr Vergleichstest geht eigentlich kaum.
Bestanden.
Matte Orca-Tasse mit Primer
Die erste matte Orca-Tasse war bereits sublimiert. Danach wurde Primer aufgetragen und zusätzlich mit dem eufyMake E1 darauf gedruckt. Das war gleichzeitig ein Doppeltest. Ich wollte wissen, ob der UV-Druck auf der grundierten Oberfläche hält. Außerdem stand beim Händler, dass die Tasse nicht spülmaschinenfest sei. Also durfte die Sublimation direkt mitgetestet werden.
Nach dem Spülgang war alles noch da. Die Sublimation hielt. Der UV-Druck hielt. Auch beim Kratztest löste sich nichts.
Matte Orca-Sublimationstasse ohne Primer
Die zweite matte Orca-Tasse wurde ohne Primer bedruckt und die hat ebenfalls gehalten. Auch nach der Spülmaschine ließ sich der Druck nicht mit dem Fingernagel entfernen. Die matte Orca-Oberfläche bietet der UV-Tinte offenbar bereits genug Halt.
Das ist kein schlechtes Ergebnis für den Primer. Es zeigt einfach, dass man nicht jede Oberfläche zwanghaft grundieren muss. Wenn es auch ohne hält, braucht man kein zusätzliches Zeug.
Bestanden.
Glossy Orca-Sublimationstasse ohne Primer
Bei der hochglänzenden Orca-Tasse sah das Ergebnis komplett anders aus. Direkt nach dem Drucken: Das Motiv war sauber, vollständig und kratzfest. Die Spülmaschine hingegen hat auch hier das Motiv abblättern lassen. Matt hält ohne Primer. Hochglanz nicht. Der Gegenversuch mit Primer auf Hochglanz fehlt noch.
FAILED.
Metallanhänger
Beim Metallanhänger konnte ich direkt nach dem Drucken auf der unbehandelten Fläche den Druck regelrecht abziehen.
Mit Primer: der war sogar mit in der Spülmaschine und kam mit intaktem Druck wieder heraus. Dank Primer also kratzfest und spülmaschinenfest.
Bestanden.
Kugelschreiber
Neiiin :D die waren nicht in der Spülmaschine! Der weiße Kugelschreiber ohne Primer und der schwarze ist mit Primer. Direkt nach dem Drucken: Weiß: konnte ich mit dem Fingernagel abkratzen. Schwarz: Kratzfest, auch mit meiner kleinen Spachtel ging nix ab:
Bestanden.
Was sagt der Test über den Primer?
Ich wollte wissen, ob dieser günstige Primer für ungefähr 22 Euro pro 500 ml seinen Job macht. Nach den bisherigen Ergebnissen lautet die Antwort:
Ja. Macht er.
Auf Glas hat der direkte Vergleich sehr deutlich gezeigt, dass der Druck nur auf der grundierten Fläche erhalten blieb. Auf Metall hielt der Druck mit Primer ebenfalls. Auf dem schwarzen Kugelschreiber war er kratzfest.
Auf der matten Orca-Tasse hält der Druck mit und ohne Primer. Auf der hochglänzenden Orca-Tasse hat der Druck ohne Primer dagegen versagt. Der Primer ist also kein magischer Pflichtanstrich für alles. Er ist ein Haftvermittler für Oberflächen, auf denen der Druck sonst nicht ausreichend hält.
Was fehlt noch?
Zwei Tests muss ich noch nachholen. Der erste ist die hochglänzende Orca-Tasse mit Primer. Der zweite Test ist CMYK ohne White Ink. Die bisherigen Drucke wurden mit White (3) und CMYK (1) gedruckt. Ein reiner CMYK-Druck ist dünner und kann sich beim Haftungstest anders verhalten. Außerdem sieht man dann, welchen Unterschied die weiße Grundschicht bei transparenten und farbigen Materialien macht. Der Test ist also noch nicht komplett fertig. Die bisherigen Ergebnisse sind aber schon ziemlich eindeutig.
Spülmaschinenfest?
Ein Spülgang ist noch keine lebenslange Garantie. Ich habe bei 45° und mit Spültabs von DenkMit aus DM gewaschen. Schärfere Tabs oder hohe Temperatur könnte auch beeinflussen.
Meine Testobjekte haben einen Spülmaschinengang überstanden oder sind dabei durchgefallen. Für eine echte Aussage zur dauerhaften Spülmaschinenfestigkeit brauche ich mehrere Spülgänge. Das werde ich hier dann noch posten. Also NoteBy: Auch Temperatur, Programm, Reinigungsmittel, Material, Primer-Menge und Trocknungszeit können das Ergebnis beeinflussen.
Fazit
Ich war ehrlich gesagt positiv überrascht. Der günstige OCBESTJET-Primer hat auf den problematischen Oberflächen genau das gemacht, was er machen sollte. Auf Glas blieb der Druck mit Primer erhalten. Auf Metall hielt er nach der Spülmaschine. Auf dem schwarzen Kugelschreiber war er kratzfest. Für ungefähr 22 Euro pro 500 ml ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für mich mehr als zufriedenstellend. Ich habe also einen günstigen Primer gefunden, der funktioniert. Kein Kickstarter-Projekt zur Finanzierung meiner Drucke nötig.
Youhou.
Der Test wird noch um die hochglänzende Orca-Tasse mit Primer und um reines CMYK ohne White Ink erweitert. Bis dahin lautet mein vorläufiges Ergebnis: Billiger Chinakram? Ja. Funktioniert trotzdem? Ebenfalls ja.
Und noch ein letzter Hinweis aus dem K-Lab: Wenn du doofe Tests in deiner Spülmaschine machst, brauchst du dich nicht zu wundern, wenn du sie danach auch sauber machen musst. Die abgeblätterte UV-Tinte verschwindet nämlich nicht durch ein Raum-Zeit-Portal. Sie landet im Sieb, an den Wänden oder verteilt sich als kleine Druckkonfetti in der Maschine.
Primer-Test bestanden. Spülmaschine danach bitte ebenfalls kontrollieren.





